Flucht aus Malta

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Cool bleiben
Sonntag, 15.03.2020. Es ist 04:30 Uhr. Draußen ist es noch dunkeln. Schnell und leise packen wir die restlichen Sachen in unsere Koffer. Schnell weg hier, bevor jemand was mitbekommt. Nur wenigen Minuten später legen wir die Zimmerschlüssel auf den Tresen und steigen draußen in ein unauffälliges schwarzes Auto. Ein kurzer Blick. Niemand sieht uns. In Windeseile werden wir zum Flughafen gebracht. Wir hätten ja gehofft, dass der Flughafen um diese Zeit menschenleer ist, doch wir sind nicht die einzigen, die so früh das Land verlassen wollen. Jetzt nur nicht auffallen. Als wir die Flugtickets in der Hand hielten machten wir uns direkt auf zu den Sicherheitskontrollen, denn wenn wir da durch sind, kann schon fast nichts mehr schief laufen. Nach den Kontrollen gehen wir in der Menge der übrigen Passagiere unter. Bedeckt warten wir auf das Boarding. Wir steigen mit den letzten Fluggästen ein. Der Flieger hebt ab. Wir sind raus!

Rückreise aus Malta – die Planung

Nachdenken
Okay, ganz so aufregend war es am Sonntag nicht. Die Tage vorher waren die, die aufregend waren. Am Donnerstag auf der Fähre haben wir die Mail erhalten: Unser Rückflug wurde gestrichen und es gibt keine weiteren Flüge mehr von Malta nach Deutschland. Und nun? Gute Frage. Wir wollten uns den Tag aber nicht verderben lassen (so weit das in der Situation noch möglich war). Daher haben wir uns erst abends Gedanken gemacht, wie es weiter geht. Immerhin waren wir nicht von der angeordneten Quarantäne betroffen, da wir bereits vorher im Land waren. Also war der erste Schritt auf jeden Fall mal die geforderte Mail an die Deutsche Botschaft. Die wird sich bestimmt kümmern, oder? Wir haben aber trotzdem kurz auch noch nach alternativen Flügen geschaut. Es blieb ja noch die Möglichkeit in ein anderes Land zu fliegen und von dort nach Deutschland zurück. Doch wie lange funktioniert das noch? Wir wollen ja auch nicht unbedingt überstürzt weg.
Keine Panik
Am Freitag haben wir dann einen deutschen Touristen im Hotel getroffen, der am Vortag mit seiner Freundin von Gozo nach Malta rüber gekommen ist. Er war allerdings schon alleine, denn seine Freundin ist bereits über die Niederlande zurück gereist. Auch er verfolgte den Plan über ein anderes Land auszureisen. Folgende Optionen standen uns da zur Verfügung: Sofia, Athen, London oder Istanbul. Über Istanbul hätten wir günstig fliegen können, doch wir wollten eigentlich nicht riskieren dann in Istanbul festzuhängen (Prompt lässt die Türkei am selben Tag keine Einreise mehr aus Deutschland zu; Ausreisen ist aber noch möglich). Die Grenze zu Tschechien war glaube ich schon zu, denn auch Prag wäre natürlich eine Alternative gewesen. Nach dem Frühstück haben wir die Optionen geprüft. Abwarten bis wir raus geholt werden, wollten wir nicht (niemand weiß, wann wir dann nach Hause gekommen wären). Am Ende sind wir nur zu einer vernünftigen Lösung gekommen: Ein Direktflug nach Wien.
Kein Geld
Warum Wien? Gefühlt ist man in Wien schon zu Hause – und wenn man über den Donauradweg heim laufen muss. Wie wir aus Wien dann weiter nach Regensburg kommen, darüber machten wir uns am Abend Gedanken. Man braucht ja eine möglichst risikofreie Lösung. Es sollte einigermaßen schnell gehen. Und vor allem: Nach den Flügen wollten wir die gebeutelte Urlaubskasse nicht unnötig weiter belasten.
Optionen für die Weiterreise gab es zahlreiche. Ich glaube wir haben echt alles ins Auge gefasst:
  • Die erste Idee war klar: Mietwagen. Doch auch der spreng das Budget. Hab‘ bei billiger-mietwagen.de geschaut: Minimum 260€. Da wäre es günstiger gewesen mit dem Mietwagen nach München zu fahren und mit beiden Autos zurück nach Wien, um dort den Mietwagen wieder am Flughafen abzugeben und dann nach Hause zu fahren
  • Fliegen von Wien nach München. Vorteil: geht schnell. Wir bekommen unser Auto regulär wieder. Nachteil: Ich glaube es waren 380€ für die Flüge (und ich bin mir nicht sicher ob da Gepäck mit dabei war).
  • Die Bahn: Ich hab mir nicht alles im Detail gemerkt, aber mit der Bummelbahn, x-Mal umsteigen und über 200€ kosten.
  • BlaBlaCar: Das wäre vom Preis her okay gewesen. Doch auch da: Wer weiß ob die am Sonntag noch nach / durch Österreich dürfen. Und man hätte sich mit denen irgendwo in Wien treffen müssen. Nicht perfekt. Wäre eine Notlösung.
  • Abholen lassen in Wien: Wir hätten uns auch in Wien abholen lassen können. Nachteil: Jemand muss vier Stunden nach Wien fahren und wer weiß, ob man am Sonntag noch von Deutschland nach Österreich reisen darf?
  • FlixBus: Das war der Preis-Leistungssieger im Test. Da stellt sich nur die Frage wie weit fährt man?
    Direkt nach München? (Dann muss man vom Bahnhof in München wieder noch zum Flughafen. Bis man dann zu Hause ist.
    Nach Regensburg? Dann müssen wir wieder zurück nach München, weil da ja unser Auto steht.
    Nach Passau? Das wäre eine Option. Da könnten wir uns abholen lassen. Direkt weiter nach München. Unser Auto holen und dann heim. Der Vorteil: Kostengünstig. Keiner muss nach Österreich einreisen. Der Aufwand für alle beteiligten ist vertretbar und wir kommen noch zu einer humanen Uhrzeit nach Hause.

Rückreise aus Malta

Road Trip
Wie geplant haben wir es dann durchgeführt. Wir mussten nur noch schauen, wie wir so früh am morgen zuverlässig zum Flughafen kommen. eCabs sagte uns hier am meisten zu. Man konnte das Taxi vorbestellen und über die App auch genau das Fahrzeug verfolgen. Sehr cool. Hat gut funktioniert. Günstiger als ein reguläres Taxi. Am Flughafen haben wir dann den Direktflug nach Wien genommen. Am Flughafen in Wien hatten wir dann ein wenig Zeit zum totschlagen. Ein Mittagessen. Ein wenig Musik hören. Die Zeit war schnell vorbei. Mit einem Zubringer ging es dann vom Flughafen zum Bus-Terminal wo wenig später der Flixbus nach Passau startete. (Der fährt dann weiter nach Amsterdam. Die Augen waren bei vielen Mitfahrenden plötzlich sehr groß, als der Bus an der Grenzkontrolle zu Deutschland plötzlich sehr langsam wurde). Um 18 Uhr waren wir dann in Passau und wurden dort auch gleich eingesammelt. Weiter nach München, wo wir gegen 19:30 Uhr unser Auto wieder erhalten habe. Gegen 20:45 Uhr waren wir wieder in Regensburg.

Fun Facts am Ende

Wie schon erwähnt hatten wir Glück, dass wir nicht in ein anderes Land geflogen sind. Wer weiß ob wir da dann am Sonntag noch raus gekommen wären. Kaum waren wir zurück überschlugen sich die Ereignisse: Ab Montag gab es dann ein Einreiseverbot nach Deutschland. (Ob sie uns noch rein gelassen hätten?). Am Mittwoch hat dann FlixBus den Betrieb eingestellt. Und AirMalta hat auch am Mittwoch oder Donnerstag darauf den Flugbetrieb eingestellt. Am Freitag habe ich gelesen, dass die Regierung einige Flieger los geschickt hat, um Touristen zurückzuholen: Malta war noch nicht mit dabei.

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