Nützliche Tipps zum Start mit Aktien & ETFs

Ihr spielt mit dem Gedanken auch ein Aktiendepot zu eröffnen, habt aber noch keine Erfahrungen bisher gesammelt? Dann wäre der Beitrag für euch vielleicht interessant. Eine Anlageberatung stellt das trotzdem nicht da, sondern ich wollte einfach einige Erfahrungswerte & Strolperfallen mit euch teilen.

Einleitung

Nachdenken
Das Wichtigste vorab: Mach euch vorher Gedanken über den Anlagehorizont. Ihr wollte mal schnell 500€ für ein halbes Jahr parken? Aktien sind dann vermutlich nicht die beste Wahl. Ihr wollt aus 500€ schnell 1000€ machen? Das wird im Regelfall so nicht klappen – und wenn dann ist das Risiko so hoch, dass man eher riskiert dass das Geld nachher ganz weg ist. Ich verfolge bei meinem Portfolio eher die Buy & Hold Strategie. Kaufen. Nicht mehr drüber nachdenken. In 10 Jahren wieder rein schauen. Okay. Ich schaue natürlich öfter rein, da ich meine Renditen/Dividende in Portfolio Performance eintrage. Wenn ihr lieber mit Daytrading versuchen wollt das schnelle Geld zu machen, könnt ihr hier zu lesen aufhören.

Der zweite wichtige Punkt: Investiert nur Geld, welches ihr langfristig voraussichtlich nicht benötigt. Und legt nicht euer ganzes Geld in einer einzigen Aktie an (In einen einzigen ETF geht allerdings schon). Verteilt eure Anlagen ein wenig (Stichwort Diversifizierung): Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Generell sollte man sich mal Gedanken gemacht haben, was man mit der Investition erreichen will. Eine langfristige Anlage für eine Altersvorsorge? Will man einfach nur der Inflation gegen wirken? Möchten man seinen Freibetrag ausnutzen? Oder will man sich durch Dividenden einen regelmäßigen Cash Flow generieren?

Gedankenspiel: Kaufe ich mir einen Kleinwagen für 18.000€ oder investiere ich 18.000€ in eine beständige Dividendenaktie und zahle mit der Dividende die Leasingrate? Im ersten Fall sind die 18.000€ weg und man hat ein Auto. Im zweite Fall least man zwar das Auto nur, aber man hat am Ende im Idealfall noch immer die 18.000€ in Aktien. (oder sogar mehr, falls die auch noch im Kurs gestiegen sind)

Wo soll ich mein Depot eröffnen

Wo
Broker gibt es mittlerweile auch wie Sand am Meer. Die besten Broker der großen Banken sind im Moment wohl die Comdirect und die Consors Bank. Diese bieten viele ETFs & Aktien an, die man auch per Sparplan besparen kann. Zum Vorteil von Sparplänen komme ich noch. Wer nur über’s Handy handeln möchte und einen günstigen Broker sucht, sollte sich mal Trade Republic ansehen. Die habe eine sehr einfache Gebührenstruktur. Ansonsten ist man ja nie an seinen Broker gebunden und kann sein Depot auch wieder zu anderen Anbietern umziehen (in der Regel aber nur ‚ganze‘ Aktien)

Wo habe ich mein Depot? Aus historischen Gründen bei der Comdirect (weil ich bei denen schon sehr lange Kunde bin).

Die Kosten beim Kauf / Verkauf

Geldschein
Mit den Kosten beim Verkauf musste ich mich bisher noch nicht beschäftigen. Doch die Kosten beim Kauf sollte man nicht unterschätzen. Verschiedene Broker verlangen zum Beispiel einen fixen Betrag beim Kauf. Das wird einem in der Regel vor’m Kauf angezeigt. Warum sind die kosten so relevant? Ein kleines Beispiel: Ihr kauft euch von der Musterfirma eine Aktie für 100€. Es kommen Transaktionskosten von 10€ hinzu. Das macht schon mal 10% an Kosten aus, die ihr mit einer Aktie wieder verdienen müsst. Kauft ihr 10 Aktien der Musterfirma für je 100€ und es fallen weiterhin 10€ Transaktionskosten an, dann sind das insgesamt nur 1% des Kaufpreises.

Wie mache ich das? Bei den Sparplänen habe ich in der Regel fixe Kosten von 1,5% – das summiert sich zwar auch irgendwann, doch das ist noch überschaubar. Wenn ich mir eine Aktie über einen Einmalkauf sichere, dann versuche ich immer so viele Aktien zu kaufen, dass sich die Kosten so zwischen 1000€ – 2000€ belaufen. Die Transaktionskosten sind im Verhältnis zum Kauf dann relativ gering und ich habe so auch gleich ein Limit und komme nicht in Versuchung eine Aktie in meinem Portfolio zu hoch zu gewichten.

Stolperfalle: Namensaktien

Gebühren
Einmal kurz nicht aufgepasst, schon hat man eine Namesaktie im Sparplan (z.B. Allianz). Warum ist das schlecht? Man muss bei diesen beim Kauf in der Regel eine kleine extra Gebühr bezahlen für die Eintragung ins Namesregister. Bei der Comdirect sind das 95 Cent pro Kauf. Habe ich eine relativ niedrige Sparrate wie z.B. 25 Euro, was für einen Sparplan normal ist, dann sind die 95 Cent fast 4% an zusätzlichen Kosten pro Kauf. Beziehungsweise es fehlen euch 95 Cent die ihr in Aktien investieren könntet. Da sind dann bei einer monatlichen Ausführung gleich mal fast 12 Euro einfach weg – bei einer Investitionssumme von 300€.

Mir ist das genau so passiert. Daher habe ich die Allianz aus meinem Sparplan raus genommen. Prompt ist mir das einige Monate später mit zwei anderen Aktien wieder passiert. Dort habe ich aber dann die monatlichen Sparrate einfach erhöht, so dass die Kosten in Relation nicht so hoch sind, weil ich die Titel trotzdem behalten wollte

Gewichtung im Depot / Diversifizierung

Auf die Gewichtung achten
Setzt nicht alles auf eine Karte. 10.000€ nur in eine Aktie investieren. Das kann gut laufen – muss aber nicht. Wer kann schon in die Zukunft sehen. Vor einer Insolvenz sind selbst große Unternehmen nicht geschützt. Hat man die 10.000€ aber auch auf fünf oder sechs Unternehmen aufgeteilt, so reduziert man das Risiko eines Totalverlustes. Generell solltet ihr darauf achten keinen Einzeltitel zu hoch im Depot zu gewichten. Keiner zwingt euch die Titel gleichmäßig aufzuteilen. Auch durch Kurssteigerungen kann es zu einer Übergewichtung kommen. Hat man den Titel im Sparplan, kann man drüber nachdenken für diesen die Sparraten auszusetzen oder zu verringern. Auch hier sollte man schauen dass der Aufwand und das Risiko sich die Waage hält.

Wie mache ich das? Ich versuche, dass in meinem Depot kein Einzeltitel mehr als 5% einnimmt. Zum Jahreswechsel werde ich prüfen ob meine Diversifizierung & Gewichtung im Depot noch passt und ggf. die Strategie für’s Folgejahr anpassen

Sparplan vs. Einmalkauf

Sparplan oder Einmalkauf
Ihr habt ein gutes Unternehmen auf der Watchlist? Die Quartalszahlen waren nicht so toll und der Kurs macht einen Knick nach unten und erreicht euer Kauflimit? Dann gibt ein Sparplan vermutlich gerade keinen Sinn, denn dann profitiert ihr nur einmal mit geringem Anteil von dem guten Kurs. Das wäre eine Gelegenheit den Titel über einen Einmalkauf ins Depot zu legen. (Wobei keiner sagen kann, dass der Kurs nicht noch weiter fällt)

Gerade bei ETFs, die man für einen langfristigen Vermögensaufbau besparen möchte, bieten sich Sparpläne an. Man kauft dann monatlich zum aktuellen Kurs. Ist der Kurs hoch, kauft man wenige Anteile. Ist der Kurs niedrig, kauft man viele Anteile. Man profitiert so vom Cost-Average-Effekt.

Ein weiterer Vorteil beim Sparplan: Wenn man sich den anlegt muss man sich keine Gedanken mehr machen jeden Monat Geld zu sparen – das passiert dann automatisch.

Wie mache ich das? Ich habe einige Positionen während der Krise ins Depot gelegt. Ansonsten laufen bei mir zahlreiche Sparpläne um meine Investition breit zu streuen.

ETF Zusammenstellung

Die ETF-Zusammensetzung nachlesen
Mit einem einzelnen ETF z.B. auf den MSCI World musst du dir relativ wenig Gedanken machen. Damit investiert man in die größten Unternehmen weltweit (je nach Anbieter über 1000 Firmen). Man kann aber auch ETFs für spezielle Sektoren besparen. Wer sich auf den Technologie Bereich spezialisieren will, nimmt zum Beispiel einen auf den Nasdaq 100.
Wenn man sich dann nachträglich noch dazu entscheidet doch Einzelaktien ins Depot zu legen, sollte man einen Blick darauf haben wir stark diese in dem ETF schon vertreten sind. Paradebeispiele dafür sind Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft – die sind in den meisten ETFs schon recht stark vertreten. Somit übergewichtet ihr diese Unternehmen, wenn ihr euch diese nochmal einzeln ins Depot legt.

Das ist an sich nicht schlimm, wenn ihr meint, dass ihr mit den zusätzlichen Einzeltiteln eine bessere Performance herausholen könnt. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass wenn diese Unternehmen mal schlechter laufen euer Portfolio auch stärker in Mitleidenschaft gezogen wird.

Und, was glaubt ihr. Habe ich mir da Gedanken gemacht? Ja, habe ich. Und ich habe mich dann trotzdem dafür entschieden ein paar der Großen trotzdem zusätzlich noch einzeln zu besparen.

Aktien vs. ETFs

Was ist besser: Aktien oder ETFs?
Schwierig in so einen kurzen Beitrag alles zu behandel. Wenn man ganz frisch startet, wäre meiner Meinung nach ein ETF Sparplan am sinnvollsten, da man hier ein geringeres Risiko bei ordentlicher Rendite erzielen kann, wenn man diesen langfristig bespart. So war bisher auch mein Erfahrungswert. Bei Aktien sollten man sich ein wenig mit den Firmen beschäftigen. Kurz und knapp mal kurz die Vor und Nachteile die mir auf die Schnelle eingefallen sind:

Aktien:
Contra: Selten kann man Aktien ‚kostenlos‘ besparen. Eine kleine Ordergebühr hat man meistens (bei TradeRepublic aber recht günstig). Man muss sich selbst mit der Auswahl der Unternehmen beschäftigen. Man ist selber für die Diversifizierung verantwortlich. Das Risiko ’schlecht‘ diversifiziert zu sein ist größer.
Pro: Mit den richtigen Titeln, kann man eine bessere Performance erzielen als der Durchschnitt. Das halten der Aktien kostet an sich nichts mehr (abgesehen von den eigenen Depot Gebühren, falls man welche hat). Man kann sich selbst gezielt für Regionen, Branchen entscheiden und individuell gewichten.

ETFs:
Contra: Dauerhaft (geringe) laufende Kosten. Wenn man keinen ’speziellen‘ ETF nimmt, kann man sich die Unternehmen nicht selbst heraussuchen, in die man investiert.
Pro: Häufig können die kostenlos bespart werden. Wenn man sich nicht einen sehr speziellen ETF heraus sucht, hat man automatisch eine gute Diversifizierung. Man spart sich viel Zeit bei der Firmenanalyse und hat trotzdem im Regelfall eine ganz gute Rendite.

Panisch kaufen / verkaufen

Keine Panik
Die Aktienmärkte schwanken. Das ist ganz normal. Heute geht’s mal 3% runter. Da darf man sich keinen Kopf machen. In wenigen Tagen sind die 3% wieder aufgeholt. Die einzelnen Tageskurse interessieren einen Buy & Hold Anleger nicht – außer er will was nachkaufen :). Panisch kaufen oder verkaufen ist meistens keine gute Idee. Natürlich muss man aber auch nicht zusehen, wie sein Depot ins bodenlose fällt. Man kann sich hier auch mit Stop-Loss Kursen absichern – doch das klappt nicht zwingend so gut, wie man sich das erhofft.

Ich muss sagen: Das finde ich persönlich auch am schwersten. Da hat einen Titel Wochenlang auf der Watchlist und plötzlich geht der durch die Decke. FOMO – Fear of missing out. Die Angst etwas zu verpassen treibt einem dann dazu ganz schnell zu kaufen. Ist mir auch schon passiert. Die Folge? Das ist im Moment mein schlechtester Posten im Depot.

Regeln sind da, um gebrochen zu werden

TEXT
Ähhm. Nein. Eigentlich nicht. Wenn ihr euch aber damit wohl fühlt: Nur zu. Habe ich mich immer an die Regeln gehalten? Naja. Aus irgendeinem Grund müssen die Regeln ja entstanden sein. Man darf am Anfang ruhig auch mal Fehler machen, sollte aber dann daraus lernen oder sich wenigstens den Konsequenzen bewusst sein.

So habe ich zum Beispiel im Moment auch noch mehrere Aktien, die mehr als 5% vom Aktienportfolio einnehmen. (Da werden aber teilweise nicht weiter bespart, daher nähert sich der Wert auch immer mehr den 5% an). Bei anderen haben ich z.B. nur für 500€ Anteile gekauft (und dadurch im Verhältnis hohe Transaktionskosten gehabt). Auch mir ist mal der Kurs einer Aktie davon gelaufen. Panisch schnell noch investiert und ab dann ging der Kurs wieder ordentlich runter.

2 thoughts on “Nützliche Tipps zum Start mit Aktien & ETFs

  1. Steffi WÜ

    Hey Markus,
    Schöner Blog.

    Und wieder etwas dazugelernt, dass Allianz eine Namensaktie ist wußte ich nicht. Fällt somit auch aus meiner Watchliste raus. Danke.

    Bin heute Abend nicht dabei. Wir sind gerade auf Urlaub und fahren um 17 Uhr Traktor.

    Falls du es noch nicht gemerkt hast. Bin jetzt unter PALEO W. Dabei.
    Ein Kollege treibt sich auch ab um an im Livechat rum. Und das ganze Amt muss net wissen was ich schreibe .

    Liebe Grüße
    STEFFI

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.